
Fütterung
Impfungen
Zähne:
Im Oberkiefer befinden sich beidseits je sechs, im Unterkiefer je fünf Backenzähne. Das Kaninchen besitzt im Ober- und Unterkiefer je zwei Schneidezähne (Incisivi), deren sichtbare Anteile etwa gleich lang sind. Die oberen Schneidezähne stehen bei geschlossenem Kiefer vor den unteren. Hinter den oberen Schneidezähnen sitzen zwei kleinere Stiftzähne.
Merke: Alle Zähne des Kaninchens wachsen lebenslang. Sie werden dadurch abgenutzt, dass sie bei den mahlenden Kaubewegungen ständig aufeinander reiben.
Magen:
Der Magen des Kaninchens besitzt keine eigene Muskulatur, sodass er sich nicht zusammenziehen kann, um Futter in den Darm zu überführen. Der Nahrungsbrei wird lediglich durch neu aufgenommenes Futter in den Darm weitergeschoben (sogenannter Stopfmagen). Daher sind Kaninchen darauf angewiesen, ständig zu fressen. Die Unfähigkeit des Magens zur Eigenbewegung (Kontraktion) verhindert auch, dass Kaninchen erbrechen können.
Merke: Ein Futterentzug vor Narkosen kann zu erheblichen Verdauungsstörungen führen. Kaninchen müssen daher bis kurz vor der Narkoseeinleitung Futter zur Verfügung haben.
Blinddarm:
Der große Blinddarm nimmt in gefülltem Zustand etwa ein Drittel der Bauchhöhle ein. In ihm werden die Rohfaser (ein Bestandteil der Futterpflanzen) aufgespalten, so dass Fettsäuren, Eiweißbestandteile und Vitamine entstehen. Im natürlichen Lebensraum findet das Kaninchen nur Halme, Gräser und Wildkräuter. Es muss also in der Lage sein, aus dieser kargen Nahrung alle benötigten Nährstoffe selbst herzustellen.
Die Aufspaltung ("Verdauung") der Pflanzen im Blinddarm wird in erster Linie von Bakterien, die als Darmflora bezeichnet werden, bewerkstelligt. Es entsteht ein spezieller nährstoffreicher Blinddarmkot, der von den meisten Tieren nachts ausgeschieden und sofort wieder gefressen wird. Dadurch können Kaninchen ihre Versorgung mit Vitaminen und Eiweißen gewährleisten. In den übrigen Dickdarmabschnitten werden dagegen große und festere Kotkugeln gebildet, die aus unverdaulichen Material bestehen.
Die Darmflora des Kaninchens ist äußerst empfindlich. Bereits geringe Änderungen der Bakterienzusammensetzung im Darm führen zu Instabilitäten des Darmmilieus (Änderung der Zusammensetzung der Darmbakterien, veränderter ph-Wert), sodass sich dann krankheitserregende Keime vermehren können.
Zahnfehlstellungen und -erkrankungen:
Eine Zahnfehlstellung kann erblich bedingt sein, aber auch durch verschiedene Fütterungsfehler ausgelöst werden. Bekommt das Kaninchen zu wenig strukturiertes, rohfaserhaltiges Futter (z.B. Heu, Gräser, Möhrengrün), so kaut es nicht genügend, um seine Zähne ordnungsgemäß abzureiben. Die in Folge des Rohfasermangels zu langen Zähne werden beim Kauen falsch belastet, wodurch sie sich verschieben und scharfe Spitzen entstehen.
Ein weiteres Problem kann eine Unterversorgung mit Kalzium sein. Im handelsüblichen Kaninchenfutter enthalten nur die Pellets ausreichende Mengen dieses Mineralstoffs, und gerade diese Bestandteile verschmähen die Tiere meist. Erhalten die Kaninchen dann zusätzlich nur kalziumarmes Frischfutter (z.B. Apfel, Möhre, Salat), entsteht ein Kalziummangel mit schlechter Zahnqualität.
Folgen:
Jede Form der Zahnerkrankung hat zur Folge, dass das aufgenommene Futter nicht ausreichend zerkleinert wird. Größere Futterbestandteile gelangen in den Magen-Darm-Trakt und lösen dort Fehlgärungen aus. Das physiologische Milieu verändert sich, sodass sich Pilze und krankheitserregende Keime vermehren können.
Fütterungsfehler:
Wildkaninchen ernähren sich überwiegend von Gräsern und Wildkräutern. Dadurch werden ein optimaler Zahnabrieb und eine stabile Funktion der Verdauungstätigkeit garantiert.
Heimtierkaninchen erhalten dagegen meist in großen Mengen handelsübliche Mischfuttermittel. Diese bestehen neben gepressten Pellets vor allem aus Getreide und Getreideprodukten (Haferflocken, bunt eingefärbte Stärkeauszüge). Die Pellets enthalten einen relativ hohen Gehalt an Rohfaser sowie verschiedene Mineralstoffe, werden von den Kaninchen aber nur ungern gefressen, bleiben meist liegen und werden dann vom Besitzer entsorgt. Dadurch ist der tatsächliche aufgenommene Anteil an Mineralstoffen und Rohfaser nur äußerst gering, stattdessen entsteht ein Überschuss an Kohlenhydraten.
Diese sind besonders in Getreide und allen Getreideprodukten (z. B. Knabberstangen, Brot) enthalten und stellen leider einen großen Teil des handelsüblichen Kaninchenmischfutters da. Mittlerweile stehen auch Alleinfuttermittel zu Verfügung, die nur aus Pellets bestehen, sodass die Kaninchen keine Möglichkeit haben, einzelne Futterbestandteile zu selektieren. Ebenso wie beim Mischfuttermittel reicht jedoch die Kauaktivität, die zur Zerkleinerung erforderlich ist, nicht aus, um auf Dauer gesunde Zähne zu gewährleisten.
Häufig vorkommende Fütterungsfehler sind:
Folgen:
Alle genannten Fütterungsfehler beeinträchtigen die Zusammensetzung der Darmflora und lösen deshalb im Darm des Kaninchens Fehlgärungen aus, die sich als Aufgasung oder als Durchfall bemerkbar machen.
Eine ausgewogene Ernährung wird dagegen durch ausreichende Heufütterung, ergänzt durch ein vielseitiges Frischfutterangebot, erreicht. Das bedeutet: Qualitativ hochwertiges Heu muss immer zur Verfügung stehen. Morgens und abends sollte ein Kaninchen zusätzlich Frischfutter erhalten.
Das Ziel der Rationsgestalung ist, dass das Tier viel kauen muss.
Der überwiegende Anteil sollte daher aus stängel- und blattreichem Grünfutter bestehen. Gemüse, bei dessen Zerkleinerung auch die Schneidezähne gut abgenutzt werden (z.B. Kohlrabi, Brokoli, Möhre), muss ebenfalls in ausreichender Menge angeboten werden. Futtermittel, die weniger Kauaktivität erfordern, wie Obst, Gurke oder Tomate dürfen ebenfalls verfüttert werden. Ihr Anteil an der Gesamtration sollte jedoch nicht zu groß sein.
Aus diesen Gründen sollten Alleinfuttermittel allenfalls ergänzend und in sehr geringen Mengen zu einer Fütterung mit Heu und Frischfutter angeboten werden.
Die Besitzer sollten bei der Lagerung des Heus beachten, dass es nicht in luftdichten Verpackungen wie z.B. Plastik gelagert und nicht zu fest gepackt (z.B. hoch aufgestapelt) wird. Die sonst im Inneren entstehende Wärme und Feuchtigkeit führen schnell zum Verderb.
Artgerechte Haltung - Ein Grundrecht auch für Meerschweinchen
von RuthMorgenegg (ISBN 3-906581-35-7 )